Jenseits unseres Horizonts
Weiterbildung – quo vadis? Die Fachgruppe ist dieser Frage nachgegangen – und hat eine unbequeme Antwort gefunden: Der aktuelle Diskurs über die Zukunft des Lernens bleibt oft im schon Bekannten strecken. Statt die Gegenwart einfach weiterzudenken, lenkt sie den Blick bewusst in unbekanntes Terrain. So entsteht eine Expedition zu den weißen Flecken unseres Denkens über Lernen.
Das Ergebnis ist ein Essay über sieben langfristige Trends, drei steile Thesen und Reflexionsfragen, die neue Perspektiven auf die eigene Praxis eröffnen. Viel Spaß beim Lesen!
Jenseits unseres Horizonts
Executive Summary
Sechzehn Thesen zur Zukunft des Lernens, fundiert, plausibel, anschlussfähig. Und doch blieb ein irritierender Eindruck: Sie greifen zu kurz. Denn sie beschreiben Entwicklungen, die bereits nah an der Realität sind. Sie ordnen, was sich verändert. Aber sie reichen nicht dorthin, wo sich die entscheidenden Verschiebungen andeuten.
Aus dieser Irritation entstand ein Perspektivwechsel. Statt die Gegenwart weiter zu analysieren, wurde Lernen bewusst aus ihr herausgelöst und in einen fremden Kontext versetzt: in eine fiktive Zukunft, in der uns selbstverständliche Annahmen und Voraussetzungen nicht gelten.
Die drei Szenarien dieser Zukunft sind keine seriösen Vorhersagen, aber sie öffnen Denkräume und ändern die Blickrichtung. Aus der Spannung zwischen diesen möglichen Zukünften und der heutigen Praxis wurden sieben langfristige Trends abgeleitet. Sie konkretisieren Richtungen, Bewegungen, in die sich Lernen entwickeln könnte.
Mit diesem Instrumentarium wurden die ursprünglichen sechzehn Thesen erneut betrachtet und in einer Matrix verortet. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Bereich, in dem hohe Relevanz und große Zukunftsweite zusammenfallen, bleibt leer.
Diagnose: Der aktuelle Diskurs über „Neues Lernen“ bewegt sich weitgehend innerhalb eines bereits kartierten Geländes.
Aus unserer Expedition zu den weißen Flecken in der Zukunft des Lernens lassen sich hingegen drei neue Zuspitzungen ableiten:
Für Trainierende und Lernbegleitende bringt das keine neuen Rezepte, sondern eine veränderte Ausrichtung. Wer Lernen gestaltet, arbeitet weniger an der Optimierung von Methoden und Formaten und stärker an den Bedingungen und (Nicht-)Interventionen, mit denen Entwicklung der Lernenden möglich wird.
Der Text versteht sich als Einladung, diese Perspektive weiterzuführen, sowohl für die eigene Praxis als auch im gemeinsamen Unternehmen, die weißen Flecken in der Zukunft des Lernens genauer zu erkunden.
Die Fachgruppe "Neues Lernen“ wurde im Frühjahr 2023 von fünf Menschen gegründet, die neue Formen des Lernens mit Leidenschaft voranbringen und weiter entwickeln wollen. Welche Entwicklungen wir dafür als grundlegend ansehen und was uns zu dieser Arbeit motiviert, lies bitte weiter unten im Abschnitt „Ausgangslage und Motivation“.
Ziele
Wir wollen…
Vorgehen und Arbeitsweise
Die Mitarbeit in der Fachgruppe soll Einzelpersonen die Möglichkeit geben, sich mit anderen Experten auszutauschen, neue Ideen zu entwickeln und bestehende Ansätze zu verbessern. Sie sollen Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und branchenführenden Praktiken erhalten, um sicherzustellen, dass ihr Training und ihre Beratung auf dem neuesten Stand sind. Durch die Teilnahme an Diskussionen und Veranstaltungen können sich Trainer, Berater und Coaches über neue Trends und Entwicklungen in ihrem Bereich informieren und sich mit anderen Experten austauschen.
Die konkreten Formate der Zusammenarbeit und entsprechende Termine legen wir derzeit fest und werden sie in Kürze in den Kanälen des BDVT kommunizieren.
Wenn Du schon jetzt gerne mitmachen möchtest, wende Dich bitte an eine der unten angegebenen Kontaktpersonen.
Ausgangslage und Motivation
Transformation verändert die Welt, in der und für die gelernt wird, mit zunehmender Geschwindigkeit. Das exponentielle Wachstum der Wissensgesellschaft, der immer leichtere Zugang zu Wissen über das World Wide Web und die sich erst abzeichnenden Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz sind nur einige, wenn auch wichtige Eckpunkte und Anzeichen dieses Wandels.
Insbesondere vor dem Hintergrund des Fach- und Führungskräftemangels steht die Wirtschaft vor der Herausforderung, die Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden in sich immer schneller verändernden Rahmenbedingungen (VUKA) kurzfristig und effizient zu entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gleichzeitig wird Lernen laufend weiterentwickelt. Ganz aktuell ist beispielsweise zu erwarten, dass Künstliche Intelligenz (KI) tiefer und substanzieller als alle bisherigen Techniken in die Wissens- und Kompetenzgenerierung von Unternehmen eingreift. Die Übertragung von handlungsbasiertem Wissen und Können von einer KI auf den Menschen nehmen wir als eine völlig neue Form des Lernens wahr.
Für Trainerinnen und Trainer, für Beraterinnen und Berater, für Coaches verändert sich damit das Spielfeld und die Spielregeln des Geschäfts grundlegend. Zwei Entwicklungen sind entscheidend:
Wissensarbeit wird zu einem immer entscheidenderen Faktor für die Wertschöpfung in Unternehmen und Organisationen. Der Erwerb von Wissen und die Entwicklung von Kompetenzen rücken als Wettbewerbsfaktor in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen. Lernen wird wichtiger, sowohl kontinuierlich als auch bedarfsorientiert.
In der VUKA-Welt verlieren bekanntes Wissen und Erfahrungen, die auf Erfolgen der Vergangenheit beruhen, immer schneller an Relevanz. Wer lernt und lehrt, muss forschen und entdecken. Relevante Kompetenzentwicklung erfordert on-the-job-Lernen, Experimentieren, Austausch und Co-Creation. Unidirektionales Lehren verliert an Bedeutung - niemand braucht mehr Vorlesungen!Die Spannung entsteht dort, wo das wachsende Bedürfnis der Kunden nach Wissenserwerb und Kompetenzentwicklung mit den klassischen Konzepten von Trainer*innen und Berater*innen beantwortet wird, die auf dem Vorsprung an fachlichem Know-how beruhen.Die Lernenden von heute und morgen brauchen immer weniger die strahlende Koryphäe, von deren überlegenem Wissen und Verständnis sie profitieren. Sie brauchen aber Expert*innen, die sie als dienende Helfer*innen und Anleiter*innen auf ihrem individuellen Lern- und Entwicklungsweg begleiten, ermutigen und unterstützen und mit ihnen gemeinsam ins Unbekannte aufbrechen - als Sparringspartner*innen auf Zeit.
Diese Anforderungen und die dahinterstehenden Entwicklungen sind nicht ganz neu. Verschiedene Gruppen denken, forschen, experimentieren, praktizieren und publizieren in diesem Feld. Schlagworte der letzten Jahre sind „Neues Lernen", „Lernbegleitung", „Lernen 4.0", „Agiles Lernen". Aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten diese Denkmodelle und Handlungsansätze den konkreten Prozess des Lernens, die möglichen Rollen von Lernbegleitern und die Vorgehensweisen der Personalentwicklung in Unternehmen (und anderen Organisationen). Sie beschreiben den Veränderungsbedarf, geben innovative Antworten und erproben neue Settings und Formate.
Hier setzen wir als Fachgruppe mit unserer Arbeit auf.




