Marius Jost

27 Plattformen und Systeme für virtuelle Trainingskonzepte, E-Learning, Online-Seminare

Welche Werkzeuge kann ich für mein Online-Training, Webinar oder Blended-Konzept nutzen? Welche Vor- und Nachteile haben diese?

Worum geht's?

Dieser Artikel beantwortet die Frage: Welche Plattformen kann ich für virtuelle Trainings / Webinare / Blended-Konzepte nutzen?

Welche Bedeutung hat das für unseren Berufsstand?

Die Entwicklung der ersten Jahreshälfte 2020 zeigt, wie anfällig das Modell „Präsenzzeit“ für Geld für Trainer sein kann. E-Learning und Blended-Konzepte sind für Trainer zunehmend überlebenswichtig geworden. Das Wissen zur richtigen Didaktik in diesem Bereich kann durch einen Lernprozess vermittelt werden, der mit Übungen begleitet wird. Das Wissen über aktuelle Tools und Fallstricke kann jedoch über Listen und Fachartikel gewonnen werden. Dieses Dokument soll Ihnen helfen, vielleicht ein Online-Werkzeug zu entdecken, dass Sie für sich ausprobieren möchten.
Zielgruppe
Professionals, Business-Trainer, Fach-Trainer, Selbständige

Zielgruppe

Starter
Professionals
Senior Professionals

Autor

Marius Jost

Stand

05 2020

Lizenzen und Hinweise

Diese Publikation ist unter folgender Creative Commons-Lizenz veröffentlicht: CC BY 4.0 DE by Marius Jost, M.Sc. 
Bilder: pixabay -„Free-Photos“, „pexels“, „Public-Domain-Pictures” Text: Marius Jost, M.Sc., Institut für systemisches Training, 65719 Hofheim a Ts.



 

 

 

 

Welche Werkzeuge kann ich für mein Online-Training, Webinar oder Blended-Konzept nutzen?

Welche Vor- und Nachteile haben diese?


In diesem Beitrag bewerte ich Systeme, Plattformen und Tools aus meiner persönlichen Sicht. Die einen sind zum zeitgleichen Einsatz während des Webinars bzw. während der Live-Session geeignet. Diese nenne ich synchrone Tools. Andere Werkzeuge passen für Blended -Konzepte bis hin zum reinen Online-Selbstlern-Seminar (asynchrone Tools). Asynchrone Tools setzen Sie also ein, wenn Sie nicht zeitgleich mit den Teilnehmern in Kontakt sind wie bei einem Webinar.

Bisher war das Interesse der meisten Trainerinnen und Trainer für synchrone Tools am größten.

In unseren Trainings hat sich gezeigt, dass einige Trainerinnen und Trainer am Anfang mit dem Gedanken spielen, einen großen Teil (oder fast den gesamten Teil) ihres Seminars als Webinar durchzuführen. Hier hat man scheinbar die beste Möglichkeit für interaktiven Kontakt und sofortiges Feedback. Viele haben das Gefühl, hier besser steuern zu können.
Ich habe allerdings über die Jahre erfahren, dass die synchronen Phasen wie Webinare oder Live-Sessions für Teilnehmer schon nach einer Stunde sehr anstrengend werden können. Trainer, die lange im Online-Training tätig sind wissen zudem: „Nur synchron, das hältst du nicht lange durch!“ In unserer Onlineausbildung zeigen wir Trainerinnen deshalb, wie sie ihre Teilnehmer zu Microlearning-Phasen anregen und sie Schritt für Schritt dazu bringen, in den Lernprozess zu investieren.

Interaktion versus Mobilfähigkeit

Ist den Teilnehmern bei synchronen Tools Mobilgerätefähigkeit wichtig? Meine Erfahrung zeigt, dass Teilnehmer auf responsive Apps teilweise verzichten können, wenn sie dafür mehr Interaktivität bekommen. Wer schon die kostbare Zeit mit einer Gruppe verbringt, will sich austauschen, Feedback, abstimmen und etwas beitragen.
Bei asynchronen Systemen, die also vor / nach einem Webinar oder eine Präsenzphase genutzt werden, ist die Fähigkeit, auf allen Geräten einsatzfähig zu sein heute fast Pflicht. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu synchronen Systemen. Wer sich als Teilnehmer schon zum Microlearning verleiten lässt oder einen „Wissenssnack“ genießen will, der nutzt in der S-Bahn oder auf der Couch das Mobiltelefon.
Sie fahren wahrscheinlich auch nicht den PC hoch, um eine Kurznachricht an einen Freund zu schreiben. Auch, wenn „mobile-ready“ für asynchrone Werkzeuge heute noch wichtiger ist, in Zukunft wird es für alle Plattformkategorien wichtig sein. Der Trend Richtung Mobilgeräte ist ungebrochen.

Es sind nicht die Tools, die Ihr virtuelles Konzept einzigartig machen. Es ist Ihre Trainer-DNA.

Auch wenn es hilfreich ist, aktuelle Werkzeuge zu kennen, sollten Sie nicht in einen Werkzeugwahn verfallen. Bitte verbiegen Sie sich nicht mit Ihrem virtuellen Konzept, Ihrem Online-Training oder Ihrer Online-Trainingsbegleitung. Wenn Sie Ihre Zielgruppe wirklich kennen und das gesamte didaktische Konzept auf Ihre ganz eigene, unverwechselbare Art konzipieren, dann erst wird es für alle ein Lernerlebnis. Verzichten Sie auch wo es geht auf umständliche Logins und Kennworte. Es muss einfach sein, dabei zu sein.

Werkzeugkasten für virtuelle Seminare - Synchrone Tools

1) GoTo Webinar

Bewertung: LogMeIn Inc. hat mit GoToMeeting, GoToWebinar und GoToTraining einen Blumenstrauß von Services im Angebot. Ich bin auch hier ehrlich, die Oberfläche ist mir zu altbacken und die Break-Out-Sessions sind mir schon ab und an abgestürzt! Man benötigt für Breakouts GoToTraining Pro, und muss echt in die Tasche greifen. Das passt alles nicht, jedenfalls für mich. Das wirklich positive am LogMeIn System ist, dass man ohne Umstände teilnehmen kann. Es geht mit dem richtigen Browser sogar ohne Software. Das ist dort mehr als perfekt.
Kosten: GoToWebinar 89 € / Monat; GoToWebinar Pro 200 € / Monat oder 430 € für das PLUS Paket.

2) ZOOM Cloud Meetings

Bewertung: Leider hat sich Zoom Video Communications Inc. nicht mit Ruhm bekleckert, was die Einhaltung europäischer Datenschutznormen angeht. Nutzer sollten sich auf jeden Fall "manuell" bei ZOOM anmelden, statt über Facebook- oder google-SSO*. Wer hier auf der sicheren Seite sein will, muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen und beispielsweise mit YuLinc von netucate systems GmbH oder zumindest mit einem in Europa gehosteten Anbieter arbeiten. Auch YuLinc bietet Break-Out-Räume und viele weitere Profifunktionen! Wenn es um sauberes Audio und Video in HD Qualität geht, denke ich sofort an ZOOM. Auch hier habe ich eine Subskription. Für ZOOM sprechen die unfassbare Stabilität der Verbindung, das sehr gute Desktoperlebnis und das immer noch gute Nutzererlebnis auf dem Mobiltelefon oder Tablet.
Bei ZOOM merkt man, dass nichts unnötig ist. Trotzdem sind die wichtigen Merkmale sind da. Schon in der ersten Bezahlstufe gibt es Breakout-Räume, ein durch Teilnehmer kommentierbares Whiteboard, Chat, gute Tastaturshortcuts und sinnvolle Funktionen zur Verwaltung und Einladung der Teilnehmer. Selbstverständlich kann man auch bei ZOOM die Meetings aufzeichnen. Schön ist, dass man viele Merk-male auch abschalten kann. Dadurch hat man ein aufgeräumteres Fenster vor sich, wenn das Meeting läuft.
Kosten: Kostenlos 100 TN bis 40 Minuten. Das oben beschriebene gibt es für netto € 13.99 / Monat, natürlich ohne Zeitbeschränkung der Meetings. Ab 19 € monatlich 300 Teilnehmer – mehr brauchen viele Trainerinnen nicht. Alles danach wird überproportional teuer!

3) Microsoft Skype

Bewertung: Skype ist für ein sehr kurzes Meeting geeignet. Verlassen Sie sich nicht auf die Sprach- und Videoqualität. Sie werden Probleme haben.
Kosten: Free
Wenn Sie Microsoft mögen oder in einer Office365 Umgebung sind, sehen Sie mal eine Zeile weiter.

4) Microsoft Teams

Bewertung: Teams ist eine ausgewachsene Team- / Projekte- / Social- / Konferencinglösung für begrenzte Personengruppen. Es ist laut Microsoft auch „der zentrale Ort für Teamarbeit in Office 365“. Teams ist eng mit Apps wie OneNote verknüpft bietet unter anderem Kanäle für Diskussionen, Dateisharing, Dateiverlinkung und Intranetfunktionen. Teams verbreitet sich derzeit in vielen großen Unternehmen! Die Lernkurve ist jedoch ziemlich steil. Sie müssen sich einarbeiten.
Ich habe Teams genutzt und den einen oder anderen peinlichen Fehler gemacht. Da landet schnell mal eine Nachricht im falschen Bereich. Wenn Sie den Aufwand nicht scheuen, sich hier ordentlich einzuarbeiten, können Sie als Trainerin in Unternehmen glänzen, die auf 365 Umgebungen fahren. Stand-alone würde ich es von mir aus nicht einsetzen. SAP, Porsche, Osram, … viele Große arbeiten mit Teams.
Schnell kommt leider die Meldung: „Für eine bessere Erfahrung loggen Sie sich bitte ein…“ Man muss nicht unbedingt ein Microsoft Konto haben, aber der Kunde wird immer wieder daran erinnert. Mich nerven Systeme, die eine Login von meinen Teilnehmern fordern oder provozieren. Ich finde, für die asynchronen Social-Funktionen ist slack oft die bessere Alternative. Es bietet Kanäle und Dateisharing. Das kombiniere ich gerne mit ZOOM.
Kosten: Von Free bis 4,20, oder 10,50 bis 19,70 je Monat und, Achtung, je Benutzer. Achtung, in der kostenfreien Version gibt es weder die hohe Verfügbarkeit von 99,9%, noch Administratortools zur Verwaltung von Nutzern und Anwendungen oder Nutzungsberichte für Office 365-Dienste, noch konfigurierbare Benutzereinstellungen und Richtlinien, noch Zugang zu gleichwertigen lokalen Servern (Exchange, SharePoint, Skype for Business).

5) Adobe Connect

Bewertung: Adobe Connect ist für mich in Ordnung, aber es hat verschiedene Schwächen. Ob es die Sprachqualität ist, oder die Probleme, die ich immer wieder habe, wenn ich mein Kameramodul (ELGATO HD60s) verbinden will. Ich bin kein besonders großer Fan von Adobe Connect. Wenn ich das Fenster in der Ansicht verändere, dann wird meine Kameraübertragung gestoppt. Wenn ich auf Vollbild gehe, wieder gestartet.
Kosten: Adobe Connect Meetings (online Meetings): ab ca. 46 €/Monat. Adobe Connect Webinars: 120 € und Learning 340 je Monat Ich finde das erste Paket vom Preis her in Ordnung.

6) Vitero

Irgendwie scheiden sich hier immer die Geister. Es gibt eine Fangemeinde für Vitero, die darauf schwören. Ich finde es angestaubt. Vitero ist nicht immer stabil, aber die Art, wie die Teilnehmer um einen Tisch herum angeordnet sind, finde ich schon klasse. Ich habe große Hoffnungen, dass das neue Update 2.0 (Vitero Inspire) besser läuft und die lange ersehnten Merkmale bringt, die mir dort immer gefehlt haben. Ein Vorteil: Wer im eigenen Hause hostet, braucht keine Angst vor Datenklau und Sicherheitslücken zu haben. Allerdings ist der Aufwand dafür auch nicht zu verachten und diese Variante ist für große Unternehmen sinnvoll. Leider hatte ich es dieses Jahr schon wiederholt, dass ich oder Teilnehmer nicht in den Vitero Inspire Raum hineinkamen. Der Bildschirm zeigte „Exception Error“. Alles mit Geräten, die den Technik-Check absolviert hatten und noch einen Tag vorher den Vitero Raum betreten konnten, die danach in edudip next keine Probleme hatten. Ich bleibe skeptisch.
Kosten: Leider nur durch den Vertrieb in Erfahrung zu bringen. Fragen Sie auch ab Quartal 2 2020 einmal nach dem neuen Lizenz-Modell „vitero inspire“.

7) Google Duo / Hangouts

Bewertung: Ich sehe Duo (weniger Hangouts) als eine mobile App, die auf mobilen Geräten ziemlich viel Spaß macht – mehr als ZOOM! Wenn Sie eine kleine vertraute Gruppe unter 8 Leuten haben oder eher nur Coaching anbieten (1:1 Gespräch), dann könnte Duo genau das richtige sein. Hangouts ist sperriger und verändert sich derzeit. So hat Google unter angekündigt, den Dienst „Hangouts Classic“ einzustellen. Für sensible Kunden: Achtung mit dem Thema Datenschutz.
Kosten: Free

8) Mentimeter

Bewertung: Menti.com (Mentimeter AB, Stockholm) bietet wahnsinnig gute Umfragen bis hin zu interaktiven Präsentationen. Es ist günstiger als Poll Everywhere. Das Tool eignet sich perfekt, um während einer Websitzung / eines Calls auf einfachstem Wege eine eindrucksvolle „Kartenabfrage“, Umfrage oder humorvolle Umfrage einzubauen.
Kosten: ab 10$ je Monat plus Steuer. Zum Ausprobieren gibt es eine Free Version

9) TeamViewer

Bewertung: Ich hoffe, Sie nutzen TeamViewer nur, wenn Ihr Kunde dies unbedingt nutzen will. Auch wenn Sie im IT-Bereit sind, kann es passen. Vielleicht möchten Sie den Rechner eines Teilnehmers steuern. Es ist eigentlich eine Lösung zur Fernsteuerung anderer Systeme / Desktops.
Kosten: Freie Version oder ab 28 € / Monat – Für mehrere User benötigen Sie „Multi-User“ 58 €/Monat Edudip Next Empfehlung Bewertung: Unter edudip.com/de bietet die Aachener Firma nicht nur ein voll DSGVO-konformes Webinartool an. Sie liefert ein Design ab, für das ich mich beim Kunden nicht schämen muss. So muss das aussehen! Zusätzlich ist alles ziemlich gut mit meinem Mobiltelefon nutzbar! Von den vielen Systemen, die ich genutzt habe, ist das hier übrig geblieben. Es ist einfach nur gut und minimalistisch gemacht. Ich bin hier Kunde und werde es auch bleiben. Kosten: 49 bzw. 41 bzw. 34 € zzgl. MwSt., je nachdem, ob Sie sich für einen Monat, 1 Jahr oder 2 Jahre verpflichten.
Werkzeugkasten für virtuelle Seminare - Asynchrone Tools

10) Blink.it

Bewertung: Die Darmstädter haben genau den Zahn der Zeit getroffen. Sie positionieren sich mit Blink.it als Blended- Learning Anbieter, nicht als staubiges „Lernmanagementsystem (LMS)“. Blink.it hat erkannt, dass Lernanbieter manchmal ihre Trainings so schnell wie möglich „zusammenklicken“ wollen. Sie haben auch verstanden, dass Inhalte sehr kurz sein sollten und die Teilnehmer nicht überlastet werden dürfen.
Blink.it ist derzeit ein klarer Gewinner der Wirtschaftskrise. Vom Umfang und der Bedienung her sind sie absolut top. Blink.it richtet sich ganz klar einerseits an selbständige Trainerinnen und Trainer und andererseits an Unternehmen. Sie setzen auf die Idee der „Schulungsbegleitung online“ und haben verstanden, dass alles, was das System liefert, 100% Handyfähig sein muss.
Kosten: Es geht ab 29 € plus Steuer los.

11) avendoo

Bewertung: Das Unternehmen bietet wie Blink.it eine Plattform als Lernbegleitung an. Es kann alles nach Kundenwunsch angepasst werden. Es ist etwas weniger ein Baukastensystem als Blink.it. Nach eigener Aussage sei avendoo für kleine Unternehmen genauso geeignet wie für Konzerne. Wichtig ist, das avendoo mehr ein LMS sein kann als Blink.it und dass das Team hinter avendoo eine professionelle Begleitung für den Kunden bietet. Interview mit Geschäftsführung von avendoo hier ansehen.
Kosten: Es können Setup-Kosten von etwas unter 1.000 € entstehen. Weitere Kosten, die vom Mietmodell bis Kaufmodell je nach Benutzerzahl sehr unterschiedlich sind. Man muss hier zwischen E-Learning Edition, Blended Learning Edition und Blended Black Edition unterscheiden.

12) Optimizepress.com + Wordpress

Bewertung: Wer eine eigene Webseite betreibt und ein digitales Geschäftsmodell als Trainer aufbauen will, ist möglicherweise gut damit beraten, sich nicht von einem Drittanbieter abhängig zu machen. Wer einen Baukasten auf WordPress-Basis will, kann OptimizePress nutzen. Es kann manchmal nerven aber funktioniert im Großen und Ganzen ganz gut: Will heißen – man bekommt nicht immer alles so hin, wie man sich das wünscht, aber dafür geht es schnell. Lösung für ausgefeilte Content-Elemente: HTML oder JAVA Code einfügen. Die DSGVO-Features dabei können sich sehen lassen. Ich bin hier Kunde und sehr glücklich damit. Immerhin macht mich das von externen Webadressen unabhängig.
Kosten: 100 bis 200 € im Jahr.

13) Moodle, Ilias und Talent LMS

Bewertung: Ilias und Moodle sind zwei der bekannteren und wirklich guten Lernmanagement-Systeme (LMS), die man kostenfrei bekommt. Beide Systeme sind wirklich gut. Moodle (moodle.com) kann selbst gehostet oder als Dienstleistung bis zu 500 Nutzern eingesetzt werden. Hiermit dürfen Sie sich dann einige Zeit beschäftigen, insbesondere wenn Sie es selbst auf Ihrem Webspace installieren und verwalten wollen. Ich finde an einigen LMS unangenehm, dass sie aus der Perspektive der Dozent*innen gedacht sind. Eine personalisierte Lernumgebung, wie sie heute oft gefordert wird, lässt sich damit nicht erreichen, aber „Lernpfade“ und einige interaktive Tools sind natürlich nutzbar. Vergessen Sie nicht: Wenn Sie selbst hosten, die Plattform also auf Ihrem eigenen Webspace laufen lassen, haben Sie u.U. eine Menge Datenschutz-Herausforderungen „am Hals“. Wenn das Geld da ist, sehen Sie sich einmal die exzellente LMS „Talent LMS“ an. Sie ist eine unter den unzähligen LMS – Systemen, die in allen Kategorien, inklusive Preis, für mich sehr positiv abschneidet.  
Kosten: Beispiel Moodle: Selbst hosten: free. Moodle Cloud (hosten lassen) von free bis 1.000 $ / Jahr für max. 500 Nutzer. Anderes Beispiel: Teachable (ab 29 €/Monat plus eine Transaktionsgebühr von immerhin 5%).

14) kajabi.com

Bewertung: Kajabi ist etwas für Sie, wenn Sie ein digitales Geschäftsmodell aufbauen wollen und sehr viele Follower online haben. So wie Amy Porterfield oder Brendon Burchard. Noch Interesse?
Kosten: Ab 119 € je Monat

15) Kahoot.com

Bewertung: Stichwort „Gamification“, wer hat das noch nicht gehört? Kahoot kommt ähnlich wie eine „Wer wird Millionär“ Show als Quizz daher, mit Musik und Sound-effekten. Umfragen, kleine Wissenstests und spielerische Quizzes sind damit leicht umzusetzen. Ob es in allen Fällen erwachsenengerecht ist, da bin ich mir da nicht so ganz sicher.
Ja, es ist spannend, wenn ein Counter läuft und leise Musik, die einen spannende Atmosphäre versprüht. Es ist eben alles in Bonbonfarben – ich bin noch nicht ganz dahintergestiegen, ob man diesen Look ändern kann (und sollte). Das Grandiose ist, dass es kaum Zugangsbarrieren gibt. Niemand von Ihren Teilnehmerinnen muss sich einloggen, nur einen kurzen PIN eingeben. Das kann wirklich jeder.
Kosten: € 20 / Monat - Bis 20 Players; € 20 bis 50 Spieler und € 40 bis 2.000 Spieler

16) Easy-Feedback.de

Bewertung: Ein Pro-Tool für eigene Online-Umfragen. Praktisch sind die Vorlagen. Ich finde Easy-Feedback für asynchrone Befragungen geeignet. Videos können eingebunden werden. Während ein Meeting läuft ist es nicht geeignet, da es kein Real-Time-System ist.
Kosten:  (free) oder immerhin 50 € / Monat! Die BusinessVariante kostet 100 € monatlich.

17) discordapp

Bewertung: Wenn ich Discordapp nicht bei Teilnehmern eines Projekts des kanadischen Gesundheitssystems gesehen hätte, hätte ich mir nicht weitere Gedanken darüber gemacht. Es ist für eine junge Zielgruppe. Wie der Betreiber selbst schreibt: „Lass Skype und TeamSpeak links liegen.“ Es handelt sich hier um einen kostenlosen und umfangreichen Sprach- und Textchat für Computer und Smartphone.
Das System sieht sich als Konkurrenz zu Skype und TeamSpeak. Ich kenne Discord und es ist überraschend gut, aber auch eben verspielt. Sie müssen prüfen, ob es für Ihre Zielgruppe passt. Es ist jedenfalls unglaublich, wie schnell mal im System ist und mitmachen kann. Das kann manchmal der springende Punkt sein.
Kosten: Free, Sie brauchen Nitro (100 € im Jahr) als Erweiterung nicht!

18) Microsoft Office Lens

Bewertung: Dies ist eine mobile Applikation zur Dokumentation von z.B. Whiteboards: Office Lens beschneidet Bilder von Whiteboards und Dokumenten und macht sie lesbar. Hilfreich ist dies für Ihre Teilnehmer, wenn diese Lust haben, eine App auf dem Handy auszuprobieren.
Es können Bilder in PDF-, Word- und PowerPoint-Dateien konvertiert werden. Auch zur Dokumentation im Präsenzseminar hilfreich. Microsoft: „Mit Office Lens haben Sie praktisch immer einen Scanner in der Tasche“
Kosten: free

19) eduPad

Bewertung: Ein „Must-Have“ in asynchronen Szenarien. Es ist ein online Texteditor für die gemeinsame Arbeit an einem Text. Es können alle Teilnehmer simultan arbeiten. Man benötigt allerdings Firefox oder Chrome als Browser. Internet Explorer / EDGE ist nicht wirklich geeignet. Kollaboratives Schreiben in einer kleinen Gruppe wird so möglich. Wer also nicht gerne mit Google, sondern lieber mit studer + raimann ag aus Deutschland arbeitet, fühlt sich hier sicher wohl.
Kosten: Free

20) Padlet,  mural.co & Miro Empfehlung und andere Boards

Bewertung: Padlet ist die bekannteste „Internet-Tafel“ in Form einer Pinnwand, auf der Posts bequem gesammelt und online verteilt werden können. Die digitale Pinnwand bietet Datenschutzoptionen von privat, öffentlich, bis geheim. Das Tool ist sowohl vor als auch während und nach Veranstaltungen extrem praktisch.
Leider muss man sich auch hier einloggen – aber es werden SSO Dienste wie Google, Microsoft und Apple angeboten. Etwas „ernsthafter“ kommen miro und mural daher. Deutsche Sprache ist dort allerdings derzeit Fehlanzeige. Weitere sehr gute Technologien: Trello.com (Kanban Board) oder in Deutschland gehostet: mindmeister.com/de (mit Mindmapping und Meistertask)
Kosten: free (allerdings nur 3 Pinnwände) oder die Pro-Version für 8€ im Monat.

21) h5p.org Für Fortgeschrittene

Bewertung: Wer selbst hostet oder WordPress, moodle, canvas oder Blackboard nutzt, findet bei h5P atemberaubende interaktive Mögichkeiten. Es ist auch als Wordpress-Plugin zu haben.
Für H5P gibt es sowohl Informationen zur „GDPR compliance“ als auch zur einfachen Integration ins eigene System. Ein Geschenk für alle, die es mit asynchronen Systemen wirklich ernst meinen, direkt von Joubel AS aus Norwegen.
Kosten: , Kostenfrei, mit MIT License

22) slack

Bewertung: slack ist ein Top-System! Es ist vom Look her modern gestaltet und ideal für kleine und größere Lerngruppen. slack ist ein webbasierter Instant-Messaging-Dienst des von Slack Technologies zur Kommunikation innerhalb von Arbeitsgruppen (Groupware).
Mit Slack können Nachrichten ausgetauscht werden, und das Chatten mit Einzelpersonen oder in einer Gruppe wird ermöglicht. Ein „Social-Space“ zur Lernbegleitung ist damit leicht umzusetzen. Wer Microsoft Teams nicht haben kann, der will wenigstens slack! Eine gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten ist online nur möglich, wenn man bei weiteren externen Diensten wie Google Drive ein Konto und eine aktivierte Anmeldung hat.
Kosten: free mit Zugriff auf die 10.000 letzten Nachrichten des Teams, 10 Integrationen mit Apps wie Google Drive, Office 365 und vielen weiteren; Einzelgespräche in Form von Audiound Video-Anrufen zwischen Team-Mitgliedern Alternativ: 6,25/Monat mit vielen weiteren Funktionen

23) ZAIPER Für Fortgeschrittene

Bewertung: Absolut fortgeschrittenes Thema für Trainerinnen und Trainer, die ein digitales Geschäftsmodell aufbauen möchten. ZAIPER ermöglicht dem Endbenutzer (also Ihnen als Trainerin oder Trainer), ohne Programmierkenntnisse von ihnen verwendete Webdienste zu verzahnen. Wir nutzen derzeit eine E-Mail plus Google-Drive Integration.
Kosten: Free und Bezahlversionen verfügbar

24) Learningsnacks.de

Bewertung: Sie benötigen leicht verdauliche Wissenshappen? Wie bei einem Chatbot bekommt man via Learningsnacks.de Wissen in Dialogform. Sie sehen z.B. eine Frage und können eine von drei Antworten auswählen. Das Interface sieht aus, als wären Sie in WhatsApp. Dahinter steckt natürlich ein fester Ablauf, und keine KI. Ich finde es sehr gut, es ist eine spielerisch gemachte Plattform. In 30 Sekunden kann ich als Trainer so ein Quäntchen mehr an Wissen zu vermitteln etwas vertiefen. Das System hat mich von Anfang an begeistert, weil es einfach und minimalistisch ist. Auf dem Handy macht es noch mehr Spaß aus auf dem Desktop.
Kosten: Free

25) Studio.gometa.io - Für Fortgeschrittene

Bewertung: Metaverse ist ein System zur Erstellung von interaktivem Content. Hier sind wir beim Thema Augmented Reality für Lehre und Marketing. Vom Event bis zum Quizz – Sie können alles Mögliche damit umsetzen. Absolut spannend ist es schon, aber es besteht akute Verzettelungsgefahr!

26) YuLinc

YuLinc basiert wie edudip next auf HTML5. Es könnte mindestens zwei Gründe, warum Sie das Webinartool als Trainer oder Teamcoach zu Unrecht übersehen haben. Erstens: YuLinc ist in Deutschland gehostet, genauer gesagt in einem verschlafenen Städtchen bei einem Hoster, der die Daten auch nicht auf Druck der US-Amerikaner herausgeben muss. So kann es nämlich bei internationalen Anbietern wie WebEx gehen, die Ihnen ein in Europa gehostetes Tool versprechen (Datenlokalität). Viele von uns dachten vielleicht, dass kleine Anbieter nicht die Bandbreite bieten, die nötig ist, um gut damit zu fahren. Das Vertrauen vieler Firmen in die US-amerikanischen Riesenanbieter sinkt allerdings. Das Interesse an den Deutschen, wie Lindenbaum, YuLinc, meetgreen, meetyo, arkadin, edudip, fastviewer und teamviewer steigt. Der einzige Grund, der für mich als Trainer immer für einen international gehosteten Anbieter sprach, war meine Fantasie, dass die Amazon Cloud oder Google Cloud Systeme einfach “unkaputtbar” sind, was die Ausfallsicherheit angeht. Das dachte Barry Williams von ZOOM auch. Vor einiger Zeit schrieb der R&D Direktor selbst jedoch, dass ZOOM nach anderen Lösungen sucht. Genau wie viele deutsche Dienste hat ZOOM schon vor einiger Zeit erkannt, dass ein natives, eigenes Cloudsystem die beste Lösung ist. Der zweite Grund: YuLinc hat immer mit Unternehmen gearbeitet und nie wirklich ein One-Click-Kaufangebot gehabt, weshalb Sie als Trainer vielleicht dachten, es sei zu teuer. Dabei muss man im Monat ab ca. 50 € hinlegen, um viele solide Funktionen nutzen zu können, inklusive Break-out-Räume. Für ein Trainernetzwerk wäre das genau das Richtige. Ob es für einen Einzeltrainer etwas ist, der immer noch denkt, Onlinetraining ist nur was für Krisen, das steht in den Sternen. Bei edudip geht das erste Paket auch direkt mit fast 35 los, aber dort gibt es systemweit bis heute keine Breakout-Räume!

27) around.co Kurz vor Produktreife

Bewertung: Dieses System sollten Sie auf dem „Radarschirm“ behalten. Ein KI-System verfolgt nach, wo sich der Kopf des Sprechers befindet. So schafft es das System, um Ihren Kopf herum eng begrenzt kreisförmig den Hintergrund einzublenden. Der Rest Ihres Büros oder Ihrer Privatwohnung, inklusive Ihr Kleinkind, das neugierig zur Tür hereinschaut sind dadurch nicht zu sehen.

Handlungsaufforderung/Fazit

Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Online-Training als Trainer*in gemacht haben: Es braucht nicht viel Zeit, um in die Online-Training Welt zu starten. Ich rate Ihnen aber, sich eine Begleitung zur Seite zu nehmen. Nutzen Sie die Trainingsangebote, die der BDVT vorhält.   
Wenn Sie bisher dachten, Online-Trainingsformate seien im Grunde Webinare: Sie werden froh darüber sein, wie viel Last von Ihren Schultern genommen ist, wenn Sie auch asynchrone Phase anbieten. Hier gilt es, die Teilnehmer*innen loszulassen. Keine Angst – alle kommen in Ihre nächste Online-Präsenzphase zurück.

Praktische Umsetzung: Was mache ich denn jetzt?

Es ist nicht das perfekte Tool, sondern was Sie daraus machen. Starten Sie mit nur einem Werkzeug, das Ihnen spontan zusagt. Wenn die Schwächen der Plattform zu lästig werden, sehen Sie sich nach einer besseren Lösung um. Beginnen Sie am besten erst danach, ein zweites und drittes Werkzeug in Ihren Trainings einzusetzen.
Der wichtigste Schritt für Sie ist aber, nun Ihren Kunden zu signalisieren, dass Sie offen für Online-Trainings sind und diese gerne anbieten. Praktische Umsetzungstipps erhalten Sie übrigens auch im Trainer Channel (YouTube).

Hilfreiche ergänzende Webseiten und Informationen

Fachgruppe E-Learning des BDVT

ist.training/blog/

https://trainer-akademie.de/ausbildung-zum-online-trainer/

 

 

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