Dr. Ulrich Wiek

Das eigene Werteprofil schärfen und nutzen

So positionieren Sie sich wertevoll am Markt

Worum geht's?

Die eigenen persönlichen Werte zu kennen, gibt uns als Weiterbildner/innen Orientierung und Sicherheit. Es bietet uns auch die Möglichkeit, sich von Wettbewerbern stärker abzugrenzen. Der Beitrag gibt konkrete Impulse, wie ein werteorientierter Auftritt am Markt entwickelt und unter Beachtung der Chancen und Risiken praktisch umgesetzt werden kann.

Welche Bedeutung hat das für unseren Berufsstand?

Neben den Inhalten und Methoden bringen wir Weiterbildner/innen insbesondere unsere Persönlichkeit in die dienstleistende Tätigkeit mit ein.
In dem stark umkämpften Markt stehen wir in einem permanenten Wettbewerb, der uns als Experte und als Person fordert. Eine bewusst entwickelte Werteorientierung stärkt die Persönlichkeit, sie macht uns selbstbewusster und fokussierter.
Die Kunden können dadurch klarer zwischen den verschiedenen Anbietern unterscheiden.

Zielgruppe

Starter
Professionals
Senior Professionals

Autor

Dr. Ulrich Wiek

Stand

02 2018

Lassen Sie uns mit einem spontanen „Werte-Elevator Pitch“ beginnen.

Stellen Sie sich vor, ein Auftraggeber fragt Sie in einem Akquisegespräch auf der Suche nach Ihrem Alleinstellungsmerkmal nach Ihren persönlichen Werten. Wie lautet Ihre Antwort? Bitte starten Sie ohne große Vorüberlegung und benennen und erklären Sie laut sprechend die drei Werte, die Ihnen persönlich am wichtigsten sind! Los geht’s …

… Wie ist es Ihnen ergangen? Ist es Ihnen leicht gefallen? Konnten Sie (sich) Ihr Werteprofil spontan, strukturiert und überzeugend erläutern?

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten ist etwas sehr Persönliches und Grundlegendes. In dem folgenden Beitrag werfen wir einen Blick auf konkrete Möglichkeiten für Weiterbildner/innen, das eigene Werteprofil zu schärfen und zu nutzen. Wir gehen dabei den folgenden Fragen nach:
•    Wie können wir uns und anderen unsere Werte konkret bewusst machen? Wie können wir unsere Werte reflektieren und kommunizieren?
•    Warum sollten wir uns als Trainerin, Coach, Berater, … überhaupt mit unseren Werten beschäftigen? Warum sollten wir unsere Werte „öffentlich“ machen? Was bringt uns das? Welche Risiken könnten entstehen?

Zunächst sollte uns bewusst sein: Ein Werteprofil bzw. eine Werteorientierung besitzt jeder von uns.

Wir Menschen orientieren uns an dem, was uns wichtig ist. Werte sind so etwas wie Qualitäten, Überzeugungen, Grundhaltungen, Eigenschaften, Prinzipien, die - bewusst oder unbewusst - von Menschen als wünschenswert, handlungsleitend, Orientierung und Sinn gebend empfunden werden.

Sich mit der eigenen Werteorientierung zu beschäftigen hat sicherlich einen kognitiven Teil: Es ist ein Prozess des Nachdenkens. Die eigenen Werte können wir „entdecken“ durch Fragen an uns selbst:
•    Was ist mir wichtig? Welche Qualitäten und Eigenschaften von Menschen bedeuten mir viel?
•    Wie will ich sein als Mensch und als Trainer, Coach, Beraterin, …?
•    Was halte ich für sinnvoll?
•    Worauf wäre ich wirklich stolz?
•    …

Manchmal hilft aber auch die negative Abgrenzung: Was sind meine „Un-Werte“? Was ist mir eher unwichtig? Was lehne ich ab? Wie möchte ich nicht sein? Wie möchte ich von Freunden, Kolleginnen, … nicht beschrieben werden?

Jede kognitive Wertereflexion unterliegt jedoch auch der Gefahr, „sich selbst etwas vorzumachen“ oder die Antwort von den vermuteten Erwartungen anderer abhängig zu machen. Das „sozial Erwünschte“ kann in diesem Prozess des Nachdenkens Einfluss nehmen. Deshalb ist es sinnvoll, neben dem „Denken“ auch das „Beobachten“ und „Fühlen“ in die Wertereflexion einfließen zu lassen. Hierzu eine Anregung: Setzen Sie sich selbst und anderen eine „Wertebrille“ auf!
Was ist damit gemeint? Beobachten Sie sich immer wieder in Ihrem Verhalten und beantworten Sie Fragen wie diese: Welche Werte nehme ich in meinem alltäglichen Handeln wahr? Was tue ich? Was sage ich? Welche Werte zeigen sich in meinem Verhalten?

Sie können sich aber auch ganz konkrete Ergebnisse Ihres Tuns anschauen.

Nehmen Sie sich einige typische Unterlagen zur Hand, die Sie erstellt haben; z.B. Flyer, Emails, PowerPoint-Folien, Seminarunterlagen, Ihre Homepage. Setzen Sie sich dann sinnbildlich eine „Wertebrille“ auf. Schauen Sie auf Ihre Unterlagen allein mit dem Fokus: Welche Werte kann ich „erkennen“? Welche Werte fühle ich beim Betrachten und Lesen meiner Materialen? Dabei geht es um Worte, Inhalte, Form(en), Farben, Materialien etc. Notieren Sie sich alles, was Ihnen spontan zu dieser Frage auffällt.
Auch hier können Sie die Frage ergänzen: Welche Werte werden denn überhaupt nicht sicht- oder fühlbar? Wie fühlt sich das, was Sie durch die Werte-Brille wahrnehmen, für Sie an: stimmig oder fehlt Ihnen etwas?

Hilfreich und sehr aufschlussreich ist es, andere Menschen zu bitten, dasselbe mit Ihren Unterlagen zu tun, z.B. als Wahrnehmungs- / Reflexions-Übung für Ihre Trainingsteilnehmenden oder auch durch befreundete Kolleginnen oder Kollegen.

Nach dem uns unsere eigenen Werte durch eine solche Reflexion bewusster geworden sind, können wir das geschärfte Werteprofil natürlich auch nach außen deutlich machen und bewusst kommunizieren. Dabei sind grundsätzlich zwei unterschiedlich „transparente“ Ansätze denkbar:

Die „explizite“ Form der Kommunikation, d.h. wir sprechen das Thema Werte offen an und legen unsere eigene Werteorientierung transparent dar (auch in unserer Außendarstellung).
Die „implizite“ Form der Kommunikation, d.h. wir reden nicht offen über unsere Werte, richten aber unser eigenes Handeln bewusst an unserer Werteorientierung aus und lassen unsere Werte durch unser Verhalten und unsere Taten deutlich werden („walk the talk“).

Im Weiteren fokussieren wir uns auf die „explizite“ Form. Dies soll keine Priorisierung bedeuten. Ganz im Gegenteil: Erst wenn wir unsere Werte auch wirklich leben, ist eine Kommunikation nach außen ratsam. Dann ist sie aber auch durchaus sinnvoll.

Viele Weiterbildner/innen gehen meiner Einschätzung nach diesen Schritt der öffentlichen Kommunikation der eigenen Wertebasis bisher nur eingeschränkt. Was wir häufig beobachten können, sind Hinweise z.B. auf der Webseite. Dort finden sich Rubriken wie „Meine Philosophie“ oder „Meine Werte“. Das ist ein Anfang, aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, u.a.:

Persönliche Gespräche jeder Art, z.B. in der Akquise mit Auftraggebern, auf kollegialen Veranstaltungen, in unseren Weiterbildungen mit Teilnehmenden. Alle diese Gelegenheiten können wir dazu nutzen, das Thema Werte aktiv anzusprechen. Wir können die Gesprächspartner/innen z.B. auch direkt fragen, welche Werteorientierung sie bei uns wahrgenommen haben; ein wirkungsvoller und (auch für uns) lehrreicher Einstieg in das Thema Werte.

Unser Auftritt am Markt, d.h. Akquise- oder Seminarunterlagen, Publikationen und Materialien aller Art. Dabei empfiehlt sich meiner Erfahrung nach eine begründende Darstellung. Die Werte einfach nur aufzulisten, reicht nicht und klingt eher nach „Marketing-Sprache“. Überzeugender wirkt es, wenn wir unsere Werte begründen können. Warum sind es diese drei Werte (und nicht mögliche andere)? Eigene Lebenserfahrungen und Beispiele machen solche Begründungen nachvollziehbarer.

Die schon erwähnte Webseite sowie die verschiedenen Social Media-Aktivitäten sind weitere Möglichkeiten mit entsprechender Reichweite.

Für all diese Kommunikationsformen kann die eigene Werteorientierung in ihrer grundsätzlichen Ausrichtung auch sichtbar dokumentiert werden durch die Nutzung des Siegels vom Forum Werteorientierung in der Weiterbildung e.V. (FWW). Als Mitglied z.B. des BDVT können Sie das FWW-Siegel nutzen, wenn Sie den „Berufskodex für die Weiterbildung“ anerkannt und sich damit einem werteorientierten Verhalten verpflichtet haben. Darüber hinaus bietet das FWW einen zweitägigen WerteReflexions-Workshop an, der Sie durch aufeinander abgestimmte Methoden darin unterstützt, Ihr eigenes WerteProfil mit Ihren drei zentralen Werten zu entwickeln. Dieses können Sie dann auch nach außen kommunizieren (siehe: www.forumwerteorientierung.de

Chancen und Risiken

Sich in einer solchen Form mit der eigenen Werteorientierung auseinanderzusetzen, wird Auswirkungen haben. Wenn wir persönlich intensiv darüber nachdenken und erspüren, was uns wichtig ist, und dieses dann auch öffentlich machen, werden innere aber auch nach außen wirkende Prozesse ausgelöst.

Es wäre nun einseitig, nur über die Chancen und Vorteile zu sprechen und nicht auch mögliche Risiken zu betrachten. Deshalb zunächst ein Blick auf die möglichen Nachteile einer aktiven Nutzung des eigenen Werteprofils:

  • Zeitbedarf und Anstrengung: Die Auseinandersetzung, das Nachdenken über die eigenen Werte, und die Kommunikation nach außen, kosten Zeit und können anstrengend sein.
  • Ablehnung: Vielleicht führt die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten auch zu Entscheidungen, die Nachteile für mich haben („nein, diesen Auftrag nehme ich nicht an oder bekomme ich nicht“, „mit diesem Kollegen arbeite ich nicht zusammen“).
  • Abschreckung: Ich kann auf andere u.U. weniger attraktiv wirken, vielleicht auch abschreckend („Das sind nicht meine/unsere Werte“). Andere halten mich dann vielleicht für anstrengend („Das bringt doch nichts, das verwirrt nur“). Vielleicht wirke ich dann auf andere auch „naiv“ („Das ist so ein Träumerin/Idealist/Gutmensch, …“).
  • „Schlechtes Gewissen“: Eventuell verursacht das Ansprechen von Werten bei mir selbst und bei anderen „ein schlechtes Gewissen“ („habe sie nicht gelebt“).


Diesen Risiken stehen jedoch auch interessante Chancen und Vorteile gegenüber, die wir uns genauer anschauen sollten:

  • Klarheit: Schärfung des eigenen Profils zunächst für sich selbst, dann aber auch nach außen für andere (Kunden, Kollegen, …).
  • Besseres Selbstverständnis: Sich-selbst-bewusster-werden, sich selbst besser kennenlernen und einschätzen können.
  • Orientierung: Ich kann gezielter nach dem suchen, was mir wichtig ist.
  • Entscheidungshilfe und Sicherheit: Werte sind Kriterien, Maßstäbe auch in komplexen, schwierigen, widersprüchlichen Entscheidungssituationen.
  • Persönliches Wachstum und Wohlbefinden: Ich erkenne deutlicher, wo Handlungs- und Entwicklungsbedarf besteht (was muss ich tun, um meine Werte noch stärker leben zu können?), ich kann als Persönlichkeit wachsen und fühle mich wohler.
  • Authentischere Wirkung und Begeisterung: Ich wirke sicherer, selbstbewusster. Eine echte Identität wird erkennbarer und begeistert andere stärker.
  • Sicherheit für Mitmenschen: Ich werde für andere berechenbarer, zuverlässiger, da mein Verhalten konsistenter wirkt („Die weiß, was sie will und was nicht“).
  • Geringeres Konfliktpotenzial: Die „Spielregeln“ sind offensichtlicher („Bei dem weiß man, was geht und was nicht.“).
  • Abgrenzung: Ich kann mich dadurch auch deutlicher von Wettbewerbern abgrenzen.
  • Attraktivität: Es kann sein, dass ich dadurch für andere attraktiver werde, eine höhere Anziehungskraft erziele (z.B. wenn die Werte „passen“ oder auch weil sie mich besser einschätzen können).
  • Bessere Kontakte und Kooperationspartnersuche: Ich finde besser „Gleichgesinnte“ (die Kunden oder auch Kolleginnen, die zu mir passen“).
  • Neue Aufträge: Vielleicht erhalte ich genau wegen meiner kommunizierten Werteorientierung neue Aufträge.
  • … Fallen Ihnen noch weitere Aspekte ein?

 

 

Handlungsaufforderung/Fazit

Es lohnt sich, das eigene Schaffen als Weiterbildner/in auf eine starke Wertebasis aufzubauen. Je stärker das eigene Fundament, umso überzeugender können wir am Markt auftreten.

Praktische Umsetzung: Was mache ich denn jetzt?

  • Den „Werte-Elevator Pitch“ durchführen
  • Die „Werte-Brille“ ausprobieren
  • Die Info-Quellen (siehe unten) anschauen

Hilfreiche ergänzende Webseiten und Informationen

www.ulrichwiek.de

www.forumwerteorientierung.de

Artikel „Werteorientierung: Chancen und Risiken“ In: TrainerJournal 6/2014 Nr. 83 (Hrsg. Trainertreffen Deutschland)

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